Mobilität ist für ein selbstbestimmtes Leben und die soziale Teilhabe von Menschen von wesentlicher Bedeutung. Dies gilt umso mehr für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Ohne eine barrierefrei gestaltete Umwelt und entsprechende mobile Angebote ist es ihnen nicht möglich, die Dinge des täglichen Lebens ohne fremde Hilfe erledigen zu können. Soziale Kontakte, Besuche beim Arzt oder Therapeuten, der Besuch von Konzerten, Museen und Sportveranstaltungen oder auch ein Spaziergang im Park oder Naherholungsgebiet, all dies ist nicht möglich, ohne mobil zu sein. Eine Einschränkung der Mobilität bedeutet deshalb immer auch den Verlust von Selbstbestimmung und Lebensqualität.
Um am sozialen Leben eigenständig teilnehmen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, die sich in ihrer Ausprägung je nach individueller Schädigung unterscheiden können. Dazu gehören neben einem eigenen Auto (inklusive der notwendigen individuellen Umbauten) oder dem Angebot von Fahrdiensten auch die Sicherung der Barrierefreiheit im öffentlichen Personennah- und Fernverkehr sowie barrierefreie öffentliche Räume in den Dörfern, Städten und Gemeinden.
Im Bereich der Mobilität geht es deshalb sowohl um die Mobilität auf Reisen, als auch die Mobilität im Alltag. Diese kann z.B. auch durch Mobilitätshilfen gesichert werden.
Wenn man mobil ist, dann lassen sich die nähere Umgebung oder auch die weite Welt erkunden und die Dinge des täglichen Lebens so weit wie möglich ohne fremde Hilfe erledigen. Zur Mobilität gehören dabei auch Mobilitätshilfen und Fahrräder.
Der Markt für entsprechende Räder ist breit gefächert. Ob nun mit einem, klassisch mit zwei oder auch mit drei Rädern, ob für die Stadt oder das Gelände ... für jeden Bedarf, Verwendungszweck und jede körperliche Einschränkung gibt es heute Angebote. Je nach körperlicher Beeinträchtigung können jedoch zusätzliche Umbauten notwendig sein. Je nach individueller Schädigung und Umfang der Umbauten können diese pro Rad auch schon einmal bis zu 5.000 Euro kosten. Dabei können solche Räder in einem besonderen Einzelfall - über die Erschließung des örtlichen Umfeldes hinaus - als Therapierad auch zur Sicherung des Erfolges einer Krankenbehandlung bzw. Rehabilitation und zur Mobilisation dienen. In solchen Einzelfällen könnte möglicherweise auch eine Finanzierung über die Krankenkasse denkbar sein.
Denn, grundsätzlich hat nach § 33 Abs 1 SGB V jeder gesetzlich Krankenversicherte einen Anspruch auf die Versorgung mit Hilfsmitteln, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen. Soweit solche Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen oder nach § 34 SGB V ausgeschlossen sind. Auch wenn Therapiefahrräder als Mobilitätshilfen im Straßenverkehr aktuell laut Hilfsmittelverordnung der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nur für Kinder und Jugendliche anerkannt sind, lohnt sich eine Einzelfallbetrachtung auch für Erwachsene und Ältere. Hier gab es bereits Fallentscheidungen zugunsten anderer Antragsteller.1 Dies gilt es individuell zu prüfen.
Mit ihren Mobilitätshilfen fühlen sich viele Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen mitten im Leben. Sie können wieder mehr mit Familie und Freunden unternehmen, sind dabei und fühlen sich nicht sozial ausgegrenzt. Einige Angebote an Mobilitätshilfen und Therapierädern möchten wir Ihnen kurz vorstellen.
Der Genny™ ist ein elektrisch betriebener Rollstuhl mit nur zwei Rädern auf einer Achse auf der Basis des Segway Human Transporters. Im Unterschied zum Segway wird hier allerdings im Sitzen gesteuert. Vor- und Rückwärtsfahren werden durch verschiedene Körperbewegungen gesteuert. Die Lenkung erfolgt mittels eines abnehmbaren Lenkbügels der bei Bedarf problemlos montiert bzw. demontiert werden kann. Die Rückenlehne und die Fußstützen sind individuell anpassbar. Umklappbare Armstützen erleichtern - zusammen mit den per Knopfdruck bedienbaren Fußstützen (für einen sicheren Stand) - den Ein- und Ausstieg. Nach Aussagen des Herstellers kann der Genny™ nach einer kurzen Eingewöhnung von jedermann einfach und intuitiv bedient werden.
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Ein ähnliches Gefährt ist der MobilityCube ®, der ebenfalls auf der Basis eines Segway entwickelt wurde. Auch hier sitzt der Fahrer auf einer Plattform zwischen zwei Rädern. Eine Lenkstange ermöglicht das Festhalten für einen sichereren Sitz und dient als Lenkstange.
Der MobilityCube ist – wie der Genny TM – selbstbalancierend. Entsprechende Neigungssensoren (Halbleiter-Gyroscope) wandeln die Bewegung des Fahrers (nach vorne oder hinten) in Drehbewegungen der Räder um. Auch die Geschwindigkeit wird über Gewichtsverlagerungen gesteuert, es gibt keine zusätzlichen Bedienelemente zum Beschleunigen oder auch Bremsen. Der Hersteller empfiehlt zwar das Tragen eines Schutzhelmes, prinzipiell sei die Handhabung des MobilityCubes jedoch unproblematisch. Lediglich plötzliches Ausweichen und Bremsen erfordere ein spezielles, ausführlicheres Training.
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Neben den positiven Erfahrungen mit diesen Mobilitätshilfen waren zuletzt bei Betroffenen und Experten aber auch kritische Stimmen zu vernehmen, die eine allgemeine Tauglichkeit für alle Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen hinterfragten. Ursache der Diskussion ist dabei vor allem das Stabilitätsprinzip der E-Roller. Die Steuerung der zwei parallelen Räder erfolgt mit Hilfe zahlreicher elektronischer Sensoren bzw. Gyroskope, welche die Bewegungen des Fahrers in Bewegungen der E-Roller-Mobilitätshilfen umsetzen. Diese können im Zusammenspiel oder eher Nicht-Zusammenspiel mit dem menschlichen Gleichgewichtsorgan selbst für gesunde Menschen zu einer echten Herausforderung und zu einer Unfallursache werden.
So berichtet der Spiegel z.B. über Unfälle mit E-Rollern. „Schuld an den Unfällen ist oft das mangelnde Vertrauen, welches das menschliche Gleichgewichtsorgan den Gyroskopen entgegenbringt, die für die Stabilität ... sorgen ... In den E-Rollern bewirken Sie, dass jede Schwerpunktverlagerung sofort ausgeglichen wird. Weil der Mensch aber intuitiv dasselbe versucht, wenn er wankt ..., muss das Gyroskop blitzschnell wieder gegensteuern. Die Folge: ein jähes Gezappel, das vielen Stürzen vorangeht.“2 E-Roller, wie z.B. der Genny™ oder der MobilityCube ®, scheinen deshalb vor allem für Menschen mit Gleichgewichtsproblemen nicht so unkritisch zu sein, wie bisher immer gedacht.
Eine andere Herausforderung stellen die hohen Preise dar. Aktuell haben wir im Internet eine unverbindliche Preisempfehlung von 19.900,00 Euro für die Genny™ urban Mobility in Vollausstattung Euro gefunden. Für den MobilityCube gibt es ein Angebot über 9.999,00 Euro.
Mit einem Rad mehr und dem Einsatz von Muskel- statt Elektroenergie bieten Dreiräder ein stabileres aber nicht ohne etwas Anstrengung zu realisierendes Fahrvergnügen. Sie unterstützen die Fahrer mit einem erhöhten Bedarf an Sicherheit und Stabilität im Alltag und helfen Ihnen, Bewegungseinschränkungen auszugleichen. Darüber hinaus können sie nicht nur eine mobilisierende und stimulierende Wirkung auf Gelenke, Muskulatur und Kreislauf haben. Sie sind auch als praktische Helfer bei kleineren Einkaufen nützlich und bringen bei einer Radtour mit Freunden nicht nur Bewegung, sondern auch viel Spaß und Freude. Je nach Konstruktion, können die Dreiräder allein oder auch zu zweit genutzt werden. Ein tiefer Einstieg und das dritte Rad helfen den Betroffenen dabei, im Gleichgewicht zu bleiben, und ermöglichen es Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, aktiv und mobil am Leben teilzunehmen.
Dabei gibt es aktuell eine Vielzahl von Anpassungs- und Ergänzungsoptionen, um die Dreiräder an den individuellen Bedarf anzupassen. Hierzu zählen zum Beispiel:
Viele Dreiräder für Erwachsene haben auch eine Hilfsmittelnummer im Verzeichnis der Hilfsmittel des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Dies ist eine Grundlage dafür, dass deren Kosten grundsätzlich auch von den gesetzlichen Kranken- bzw. Pflegeversicherungen übernommen werden dürfen. Inwieweit dies im individuellen Fall auch getan wird, muss der Betroffene jedoch immer pro Einzelfall zusammen mit dem behandelnden Arzt und der zuständigen Krankenkasse prüfen. Informationen zur Rechtssprechung bzw. zu Entscheidungen zur Versorgung mit Therapie-Fahrrädern, Tandems, Dreirädern oder E-Bikes finden Sie auch bei REHADAT.
Das Sanitätshaus Alippi verweist in diesem Zusammenhang auch noch auf elektrisch betriebene drei- der vierrädrige Mobilitätshilfen. Gerade bei langen Strecken wären diese für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bzw. viele Senioren nicht mehr gut alleine zu bewältigen. Nach einer Krankheit oder einer Operation geht manchmal vieles nicht mehr wie zuvor gewohnt. Hier würde sich ein Elektromobil als wertvolle Unterstützung erweisen, das die Reichweite der betroffenen enorm vergrößert und so die Lebensqualität deutlich verbessert. Eine Auswahl von Elektromobile in verschiedenen Ausführungen finden Sie hier oder z.B. auch im Alippi-Sanitätshaus in Ihrer Region.
In diesem Zusammenhang möchten wir darauf hinweisen, dass sich der Markt für Elektromobile in den letzten Jahren sehr stark entwickelt hat und die Anbieter für jeden Bedarf und Geldbeutel Lösungen bereithalten. Dabei ist auch hier - wie in anderen Produktkategorien - zu beobachten, der Ausstattung und dem Preis oft nach oben kaum eine Grenze gesetzt. Unsere Bildbeispiele möchten Ihnen davon einen ersten Eindruck vermitteln.
Bevor man sich zum Kauf einer Mobilitätshilfe, eines E-Bikes oder eines Rades entscheidet, sollte man sich erst einmal in Ruhe informieren und mit Bekannten und Freunden über deren Erfahrungen sprechen.
Wenn die Auswahl dann auf eine kleinere Anzahl von Produkten eingegrenzt wurde, kann man sich die Produkte in Ruhe beim Händler anschauen und sollte sie natürlich auch ausprobieren. Dabei stellen sich zusätzliche Fragen nach den optionalen Ausstattungs- und Anpassungsmöglichkeiten (z.B. Lenkung, Bremsen, Schaltung, Licht), die eine Nutzung entsprechend der individuellen Schädigung ermöglichen. Welche ist hier die richtige? Und welche fühlt sich darüber hinaus für mich auch noch gut an? Hierfür ist es notwendig, das Rad oder die Mobilitätshilfe vor dem Kauf auch einmal ausgiebig - entsprechend der später geplanten Nutzung - zu testen. Ein solcher Test sollte länger und umfassender sein, als nur 5 Minuten ein paar Runden auf dem Hof des Händlers zu drehen.
Je nach individuellem Bedarf und geplanter Nutzung kann es dann auch wichtig sein, mit dem Händler über Transportfragen des neuen Gefährtes zu sprechen, wie z.B.:
Und natürlich sollte man auch auf die eigene Sicherheit achten. Dabei gilt es z.B. zusammen mit dem Händler einen passenden Helm auszusuchen. Dieser sollte nicht nur gut aussehen, sondern auch perfekt sitzen und optimal schützen, denn z.B. E-Bikes und elektrische Mobilitätshilfen können ganz schön schnell unterwegs sein. Bei aktuellen E-Bikes kann man so auch schon einmal 30 km/h erreichen und da gilt es möglichen Stürzen und ihren Folgen vorzubeugen.
* Bitte beachten Sie: Die oben aufgeführten Angebote erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigen beispielhaft, welche Services angeboten werden. Gerne nehmen wir weitere Lösungen in die Übersicht auf. Haben Sie gute Erfahrungen mit einem Lieferanten oder einem Serviceangebot gemacht haben und möchten es mit Ihren Mitbewohnern teilen, freuen wir uns über eine kurze Nachricht von Ihnen. Bitte kontaktieren Sie uns hierzu unter produkte@telmacare.de Vielen Dank im Voraus!
Eingestellt von: Redaktion TelMaCare (SW / TH)
Erstellt am: 02. September 2022
Letzte Aktualisierung am: 02. September 2022