Es ist fast schon ein Allgemeinplatz: Wer regelmäßig Sport treibt, der kann sein Krebsrisiko vermindern. Wir wissen auch schon seit vielen Jahren, dass körperliche Aktivität selbst bei einer bestehenden Krebserkrankung hilfreich und wirksam ist. Hierzu gibt es umfassende Studien.
Dabei ist aus der Forschung zu körperlicher Aktivität bei Krebs bekannt, dass Patienten, die sich regelmäßig bewegen, weniger Nebenwirkungen der Therapie haben. Eine laufende Krebstherapie kann so besser durchgeführt werden und die Patientinnen und Patienten können sich nach der Therapie auch schneller erholen. Für verschiedene Krebsarten wurde darüber hinaus gezeigt, dass die regelmäßige körperliche Aktivität das Überleben verbessert.1
Auch bislang eher inaktive Patienten können dabei von einer Änderung ihres bisherigen Lebensstils profitieren. Und dies bietet nachhaltige Vorteile. Körperliche Aktivität nach Krebs reduziert laut Experten nachweislich die Gefahr eines Rückfalls und erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Heilung. So zeigte eine Studie, dass die körperlich aktivsten Brustkrebsüberlebenden gegenüber den wenigsten aktiven ein um 40% geringeres Risiko hatten an Brustkrebs zu versterben. Für Darmkrebs war das Risiko um 30% und für Prostatakrebs um 33% reduziert. Darüber hinaus können die Nebenwirkungen der Therapie und der Krebserkrankung verringert werden (z.B. bei der Behandlung krebsbedingter Fatigue). Sport und Bewegung steigern unsere Leistungsfähigkeit und stärkt unser Selbstbewusstsein, was die Lebensqualität enorm verbessern kann.2
Dabei bedeutet Sport bzw. Bewegung nicht unbedingt Triathlon, Marathon oder Joggen. Wandern, Radfahren oder auch Tanzen können hier nicht nur für Bewegung sorgen, sondern auch Freude bereiten.
So erleichtert die Tanztherapie den Zugang zur Erlebensfähigkeit und zu seelischen Verarbeitungsprozessen, trägt zur Verminderung von Angst und Depressivität bei und führt zu höherem Wohlbefinden und Selbstbewusstsein.
Zu diesen Ergebnissen kam bereits 2004 eine Pilotstudie, die mit Frauen in der onkologischen Rehabilitation an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg durchgeführt wurde. Es handelte sich dabei um die erste deutsche Studie zur Wirksamkeit der Tanztherapie in der Onkologie.
Tanztherapie ist eine bewegungs- und körperorientierte Form der Psychotherapie, die von der Einheit von Körper, Geist und Seele des Menschen ausgeht. Ihr Ziel ist die authentische, selbstbestimmte Bewegung, über die Gefühle und Stimmungen ausgedrückt und bisher unbewusste Konflikte einer Bearbeitung zugänglich gemacht werden können. Dadurch kann der Patient/die Patientin das Vertrauen in sich selbst wieder erlangen und diese Erfahrungen in das Selbstkonzept integrieren.
Die Tanztherapie wurde bereits 1996 im Rahmen der kunsttherapeutischen Angebote in der Klinik für Tumorbiologie eingeführt. Als körperorientierte Psychotherapieform sollte sie Tumorpatienten und -patientinnen im Prozess der Krankheitsverarbeitung unterstützen. Übergeordnete Ziele waren die Verbesserung des Selbstwertgefühls und der Lebensqualität.
An der Pilotstudie zur Tanztherapie hatten 67 Frauen teilgenommen. Ziel war es, die Messinstrumente zu testen, um spezifische Hypothesen zu Wirkfaktoren im Prozessverlauf zu entwickeln, die im Rahmen der Hauptstudie mit 115 Frauen überprüft wurden. Die Ergebnisse der Hauptstudie lagen Ende 2004 vor.3
2023 wies auch noch einmal das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg daraufhin, dass körperlich aktive Frauen nach einer Brustkrebsdiagnose ein geringeres Sterblichkeitsrisiko hätten – was frühere Studien bereits belegen könnten. Aktuell zeigte sich in einer Untersuchung von DKFZ und Harvard-Universität, dass dieser positive Effekt bereits bei moderater Aktivität auftritt. Besonders ausgeprägt war die Assoziation zwischen Aktivität und Sterblichkeit beim häufigen „Rezeptor-positiven“ Brustkrebs, dessen Zellen auf die weiblichen Geschlechtshormone reagieren. Diese Unterart betrifft in Deutschland etwa dreiviertel aller Patientinnen. Bei Brustkrebserkrankungen, die erst nach den Wechseljahren diagnostiziert wurden, wirkt sich körperliche Aktivität ebenfalls besonders günstig aus.
„Bewegt Euch!“ – war deshalb der Rat der Studienleiterinnen für Frauen mit einer Brustkrebs-Erkrankung. „Wandern oder Radfahren, Tanzen oder Krafttraining: Jede Frau kann auswählen, was ihr am meisten liegt und damit ihre eigene Erkrankung günstig beeinflussen.“4
Wer sich regelmäßig bewegt, beugt auch wirksam Herz- und Gefäßkrankheiten, aber auch Diabetes und natürlich Krebserkrankungen wie Darm- oder Brustkrebs vor. Ideal ist Ausdauerbewegung an fünf Tagen die Woche 30 Minuten. Zum Beispiel bei einer mäßigen Ausdauerbelastung Joggen, schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen, Ergometer-Training oder auch Tanzen. Am besten man gestaltet auch seinen Alltag so bewegt wie möglich: Fahrrad statt Auto oder E-Roller, Treppe statt Aufzug, im Büro stehend statt sitzend telefonieren und arbeiten. Patienten sollten aber ihre Belastbarkeit mit ihrem Arzt besprechen. Und, Bewegung schützt nicht nur vor Arteriosklerose („Gefäßverkalkung“), sondern wirkt sich positiv auf andere Körper- und Organfunktionen wie Zellerneuerung, Anregung der Hirnaktivität, Stoffwechselprozesse in Leber und anderen Organen aus.5
In Mannheim bietet der Tanz & Freizeitclub "Tausendfüssler Club" deshalb seit 1999 schon Tanzen als Reha-Sport an. Dabei wird das Tanz-Angebot an die Anforderungen des Reha-Sports angepasst. E wird vom Arzt verordnet und die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen (§ 64 SGB IX Ergänzende Leistungen - Sozialgesetzbuch). Laut Mannheimer Club belastet die Verschreibung auch nicht das Budget des Arztes und die Verordnung wäre in den meisten Fällen 1 bis 3 Jahre gültig.6
Angebote in anderen Regionen finden sich z.B. bei der Suche nach Rehasport, Seniorensport oder auch Rollstuhltanz. In Sachsen – so der Sächsische Behinderten- und Rehabilitationssportverband e.V. - bieten drei Vereine Tanzen als Reha-Sport an. Das sind:
FSG Medizin Hoyerswerda e.V.
Dietrich-Bonhoeffer Str. 4
02977 Hoyerswerda (Lauta)
Anke Stefaniak
Tel.: 03571 / 6085280
Fax: 03571 / 6085281
E-Mail: info@fsg-medizin.de
Internet: www.fsg-medizin.de
Tanz- & Sportclub Leipzig Süd/Ost e.V.
Zweinaundorfer Straße 18
04318 Leipzig
Andreas Grimm
Tel: 0341 / 6993550
Fax: 0341 / 6994227
E-Mail: mail@tenbukan.de
Internet: www.tenbukan.de
Wenn Sie sich bundesweit über Angebote im Reha-Sport informieren wollen, so empfehlen wir die Rehabilitations-Sportgruppen-Suche auf der Seite des Deutschen Behindertensportverbandes. Hier können Sie sich für Ihr jeweiliges Bundesland die verschiedenen Angebote anzeigen lassen.
Zur bundesweiten Suche nach Rehabilitations-Sportgruppen
gelangen Sie hier
Behinderten- und Rehabilitationssportverein „Medizin“ Vogtland e.V.
Mammenstraße 40
08527 Plauen
Inge Bartsch
Tel.: 03741 / 385834
Fax: 03741 / 385835
E-Mail: brsv-medizin@web.de
Internet: https://brsv-vogtland.de
Es gibt aber auch Online-Angebote zum Thema Tanzen und Krebs. Hier ein Beispiel:
Eingestellt von: Redaktion TelMaCare (TH)
Erstellt am: 02. Juni 2023
Letzte Aktualisierung am: 02. Juni 2023